Eine umweltfreundliche U-Bahn für Hamburg ?

Stehen Mobilitätswende und Klimaschutz im Widerspruch?

In der Anfang Oktober 2021 vorgestellten Studie „Eine umweltfreundliche U-Bahn für Hamburg?“ (Download der Studie hier) zeigen die drei Autoren auf, welche Belastungen mit der geplanten U5 verbunden sein werden.

Dies betrifft die mehr als 10 Millionen Tonnen zusätzliche CO2-Emissionen, die während der mindestens sieben Jahre andauernden Bauzeit entstehen werden: durch die Produktion von Stahl und Beton, für den Transport des Erdaushubs, für das Heranschaffen der gesamten Bau- und Ausbaumaterialien, durch das Verbauen dieser Materialien und den gigantischen Energiebedarf der vielen Baumaschinen und Anlagen.

Hinzu kommen die Lärmbelastungen durch die Transportfahrten und die langjährigen Baustellen selbst an den ca. 38 Prozent der Streckenlänge, in denen die U5 in offener Bauweise erstellt werden soll. Vor allem die Haltestellen und die dazwischen liegenden über dreißig Notausgänge können nicht im unterirdischen Schildvortrieb gebaut werden. In dieser Studie zeigen die Autoren, dass diese „Amortisationszeit“ für die Hamburger U5 durch Verlagerung von Autofahrten auf diese Tunnelbahn um ein Vielfaches höher liegt als die der Berliner U-Bahnen. Eine solche U-Bahn kann daher letztlich nur als ökologisch wertlos bezeichnet werden.

Das Schlussfazit der Autoren:

Es ist unbestritten, dass eine U5 und weitere U-Bahnprojekte die Mobilität in Hamburg verbessern würden, in welchem Umfang auch immer. Das Ausmaß der Zeit- und Beförderungsvorteile ist allerdings genau besehen, ebenfalls recht gering, gemessen am Gesamtvolumen. Auf der Pressekonferenz der Hochbahn am 19.08.2021 (s.o. S.2) wurde diese mit 6,1 Mio. eingesparter Reisestunden jährlich beziffert. Dies mag viel erscheinen. Nimmt man jedoch die täglich 130 Mio. Kilometer, die Hamburger Privatpersonen im HVV-Einzugsgebiet in 2017 lt. Infas-Studie (MID = Mobilität in Deutschland, Infas 2017) zurückgelegt haben und legt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h zugrunde, so ergeben sich knapp 2,4 Mrd. Stunden. Die Einsparung durch die U5-Gesamt beträgt dann gerade einmal 0,25 %. Durch diese Studie ist aber nun auch ersichtlich geworden, dass eine U-Bahn den klimapolitischen Anforderungen der Gegenwart nicht gerecht wird und keinen nennenswerten Beitrag zum Klimawandel erbringen kann – im Gegenteil: die Emissionen von Luftschadstoffen während der Bauphase durch baubedingte Zusatzverkehre, der Energiebedarf der Baumaschinen und der bei Herstellung der verwendeten Materialien belasten in nicht hinnehmbarem Umfang die Transformationspfade hin zu Klimaneutralität und gefährden die Realisierung der Klimaziele die möglichen Einsparungen an CO2 durch Umstieg von Ver-kehrsteilnehmern vom Pkw oder Bus auf die U-Bahn in der Betriebsphase kommen 10 Jahre (U5-Ost) bzw. mehr als 20 Jahre (U5-Mitte) zu spät und sind selbst auf Basis heutiger noch relativ hoher Emissionswerte von Pkws und Bussen so gering, dass sie erst nach Jahrhunderten die CO2-Mengen aufwiegen, die durch den Bau der Strecken verursacht wurden wenn Pkws und Busse in den nächsten 10 Jahren in dem Maße CO2-sparender werden wie geplant, wird selbst dieser Effekt gegen null gehen. Durch den Beschluss des BVerfGs vom 24.03.2021 liegt es nun nicht mehr im Abwägungsermessen der staatlichen Organe, ob sie bei Maßnahmen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit ihrer ÖPNV-Systeme den CO2-Ausstoß z.B. bei der nach BImSchG und UVPG erforderlichen Überprüfung ihres Handelns, den CO2-Ausstoß als relevante Größe vernachlässigen – wie sie es bis heute landesweit getan haben.

Daher bedarf die Hamburger „Mobilitätswende“ in Bezug auf den Klimawandel einer kompletten Neubewertung. Selbst eine autofreie Innenstadt würde dann nicht schon per se einen Sinn machen, wenn die dafür notwendigen Investitionen nur unter Inkaufnahme von immensen CO2-Emissionen erstellt werden können, die sowohl innerorts als auch außerorts auftreten aber in der kommunalen Klimabilanz nicht erfasst werden und / oder erst dann klimapolitische Früchte abzuwerfen, nachdem 2030 oder 2045 die Klimaziele vermutlich deutlich verfehlt wurden.

 

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